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Aus: Nachr. entomol. Ver. Apollo, N.F. 17 (2): 160–168 (1997) –– © 1997 by Entomologischer Verein Apollo e.V.

Buchbesprechung (Book review)


Bernard D’Abrera (1995): Saturniidae Mundi. Saturniid Moths of the World. Part I. ISBN 3-931374-01-7. Automeris Press, Keltern. 177 Seiten, 75 Farbtafeln, Format 26,5 cm × 35 cm, Ganzleinen mit farbigem Schutzumschlag. Erhältlich im Buchhandel oder direkt beim Verleger: Automeris Press c/o Antiquariat Goecke & Evers (), Sportplatzweg 5, D-75210 Keltern. DM 445,—.

Unter dem Titel „Saturniidae Mundi“ sind insgesamt drei Bände, die die Saturniidenfauna der Erde darstellen sollen, zur Ausgabe von 1995 bis in die nächsten Jahre geplant. In dem nun vorliegenden ersten Band behandelt der Autor die Subfamilien Arsenurinae, Agliinae, Ceratocampinae und einen Teil der Hemileucinae. Die Gattungen und Arten werden schriftlich jeweils kurz abgehandelt, zur Gattung wird die dem Autor zur Zeit bekannte Anzahl an zugehörigen Arten, die Typusart und eine kurze Charakteristik angegeben, bei den Arten das Originalbeschreibungszitat, ausgewählte Synonyme, Angaben zur Verbreitung und ebenfalls eine kurze Charakteristik. Insgesamt werden aus 69 Genera mehr als 550 Arten farbig in der aus anderen Werken von D’Abrera gewohnten hervorragenden Qualität abgebildet. Der Großteil der abgebildeten Tiere stammt aus der Sammlung des Natural History Museum in London (früher British Museum of Natural History, BMNH), einige Arten wurden aber auch nach Leihgaben von Richard S. Peigler und Kirby Wolfe abgebildet.

Das Werk verfügt über fünf Seiten Einleitungstext, in dem D’Abrera kurz über die Sammlung des BMNH berichtet. Der Titel „Saturniidae Mundi“ steht im Widerspruch zum Anspruch des Buches, „nur“ die Saturniidenbestände des BMNH vorzustellen. D’Abrera legt dann seine Auffassung von Taxonomie als einer Art Philosophie gottgegebener Ordnung dar und widersetzt sich gleichzeitig der Evolutionstheorie und phylogenetischen Ansätzen zur Gliederung der Familie, ja nennt sie gar herablassend „mumbo jumbo“. Es fragt sich, wie auf diese Weise wissenschaftliche Diskussionen geführt werden können, wenn jemand stur alles Vorgegebene auf einen „Creator“ (Schöpfer) zurückführt, moderne Untersuchungen zur Entstehungsgeschichte der Erde und ihrer Fauna und Flora verhöhnt und evolutive Weiterentwicklungen grundsätzlich verneint. Moderne, allgemein anerkannte Arbeiten über die Saturniidae, wie etwa die von Michener (1952) und Minet (1994), werden nicht akzeptiert. Diesen religiös-philosophischen Dogmatismus sollte sich D’Abrera besser für sein für die Zukunft geplantes Werk über seine Sicht der Entstehungsgeschichte aufheben, dort könnte er dem geneigten Leser seine Sicht der Dinge darstellen. In einem Bestimmungsbuch (und das soll das vorliegende Werk ja wohl in erster Linie sein) wird solches nicht erwartet; es ist auch inadäquat und absolut überflüssig.

Zu Beginn des Textes weist D’Abrera ausdrücklich darauf hin, daß er keine taxonomische Revision durchführen möchte, eine Seite später jedoch äußert er sich negativ über die Verwendung des Status von Subfamilien, Subgenera und Subspecies (wobei er hier Subfamilien noch akzeptiert). Man mag zur Berechtigung von Unterarten stehen, wie man möchte, es kann aber nicht angehen, daß, obwohl angeblich keine taxonomischen Änderungen durchgeführt werden, gleichzeitig alle bisherigen Unterarten als Populationen und „Rassen“ mit ihrem Unterartnamen abgetan werden; dies bringt nur neue, unnötige Verwirrung in teilweise gerade revidierte und umfassend bearbeitete Gattungen. Besser wäre in diesem Fall gewesen, hier die zur Zeit bereits vorhandene, moderne Nomenklatur zu übernehmen. Insbesondere für die Subfamilien Arsenurinae (1980) und Ceratocampinae (1988) sowie, etwas älter und daher nicht mehr ganz auf dem neuesten Stand, für das Genus Lonomia (1972) sowie Automeris und nahe Verwandte (1971–74) existieren moderne Werke von Claude Lemaire, die umfassende Darstellung der Hemileucinae (in der sicherlich zu erwartenden hervorragenden, ausführlichen und professionellen Qualität von Lemaire) ist in Vorbereitung. Man hat auf manchen Seiten den Eindruck, daß D’Abrera die Bücher von Lemaire offenbar gar nicht (oder erst viel zu spät) gelesen hat, obwohl sie die zur Zeit unverzichtbare Basis für die meisten der abgehandelten Gruppen darstellen.

Auf Seite 11 gibt er Gründe an, weshalb in der Literatur für die behandelten Familien mehr Artnamen existieren, als Arten in dieser Arbeit dann letztendlich abgebildet werden. Zum einen listet er diverse Synonymien auf (leider werden aber für die einzelnen Arten keine vollständigen Synonymielisten angegeben, obwohl dies, zumindest bei den Gruppen, die Lemaire schon bearbeitet hat, ohne große Mühe möglich gewesen wäre), zum anderen sind im Anhang Arten abgebildet, die nicht im BMNH vorliegen, von denen aber Fotos oder Sammlungsexemplare erst nach Druckbeginn eintrafen; für diese wurde kein Text mehr erstellt. Die Auswahl der angegebenen Synonymien erscheint wahllos, auch wenn D’Abrera schreibt, daß er nur die „bekannteren“ (was immer er darunter verstehen mag) Synonymien angibt. Ein weiterer Teil der beschriebenen Arten konnte nicht abgebildet werden, da nicht für alle Species auch Leihgaben aus anderen Museen erlangt werden konnten. Insgesamt werden 164 Arten zwar erwähnt, aber nicht näher behandelt oder abgebildet.

Im Anschluß daran beschäftigt er sich noch mit der Familie der Saturniidae im Besonderen. Er kann (oder möchte?) keine genaue Definition der Merkmale dieser Familie geben, führt als Begründung hierfür die Verwirrung im Werk von Seitz an, obwohl Michener, den er dann auch selbst zitiert, sehr genaue Merkmalsdefinitionen angibt.

Auf den Farbtafeln wird nomenklatorisch relevantes Typusmaterial mit einem roten Punkt gekennzeichnet, also Abbildungen von Holo-, Lecto-, Neo- oder Syntypen. In der Typensammlung des BMNH sind einige fälschlicherweise als Typusmaterial etikettierte Falter enthalten; angeblich aus Zeitmangel werden diese Tiere mit fraglichem Status hier generell nur als „Type“ bezeichnet.

Bevor die eigentlichen Abbildungsseiten besprochen werden, hier noch einige allgemeine Anmerkungen: Diverse Male schreibt D’Abrera „I do not know . . .“, z. B. ein Weibchen oder eine Art etc. Dies heißt dann aber nicht, daß die Falter dieser Art noch nicht bekannt sind, sondern daß sie ihm bei der Vorbereitung dieser Arbeit im BMNH nicht vorlagen. Da sehr viele Neubeschreibungen amerikanischer (und auch afrikanischer) Arten in den letzten Jahren in Frankreich publiziert wurden und das zugehörige Typusmaterial auch im Naturkundemuseum in Paris deponiert wurde (u. a. Sammlung Lemaire!), wäre bei einem Besuch dort sicherlich ein Großteil der noch fehlenden Abbildungen herzustellen möglich gewesen. In jeder Gattungsübersicht gibt er eine scheinbar genaue Anzahl an Arten an; sinnvoller wären hier vielleicht Zirka-Angaben gewesen. Und schließlich vermutet er den Verbleib des Typusmaterials zweier Arten (Anisota virginiensis und Hemileuca maia) in der MacLeay-Sammlung, Australian University of Sydney. Insbesondere für einen Australier wie D’Abrera sollte solch eine Angabe eigentlich ohne allzugroße Probleme zu überprüfen sein.

Für alle besprochenen Arten wird das Verbreitungsgebiet angegeben, entweder in Form von Ländern, Bundesstaaten (USA) oder als Zonen (Amazonasgebiet etc.). Immer wieder ergänzt D’Abrera belegte Angaben ärgerlicherweise durch Vermutungen, (hoffentlich immer?) gekennzeichnet durch ein „?“ (beziehungsweise dann auch fehlerhaft durch das Weibchensymbol, weil offensichtlich beim Umsetzen von codierten Druckanweisungen in Druckzeichen während der Textvorbereitung zum Druck schludrig vorgegangen wurde). Da beispielsweise Regionen wie Südbrasilien, Uruguay und Paraguay für ihn wohl grundsätzlich identische Faunen aufweisen müssen, werden alle drei genannt, wenn eine Art nur in einem dieser Länder nachgewiesen ist. So entstehen wissenschaftlich nicht verwertbare Verbreitungsangaben.

Zum Text und den Abbildungen der Arten im einzelnen; reine Schreibfehler werden hier nur gelegentlich aufgelistet, um den Rahmen der Besprechung nicht noch mehr zu sprengen:

Seite 18: „B. cytherea“ heißt heute korrekt Imbrasia cytheraea; der unterste abgebildete Falter ist keine Saturniide, sondern eine Catocaline (Noctuidae).

19: Citheronula ist nach Lemaire nur Subgenus von Citheronia, Schreibfehler „Neocarnegia“ (anstelle Neorcarnegia) und „Eleucophaeus“ (anstelle Euleucophaeus). Die Gattung Mielkesia (in Lemaires Grundlagenwerk von 1988 aufgestellt!) fehlt im systematischen Katalog.

31: Arsenura mossi Männchen + Weibchen: rote Punkte (für Syntypen) fehlen.

40: Es erscheint nicht glaubwürdig, daß es tatsächlich Exemplare von Caio richardsoni geben soll, die dreimal so groß sind wie die abgebildeten Falter. Schreibfehler „Czio“.

41: C. richardsoni Männchen: Laut Text sollte der männliche Holotyp abgebildet sein; tatsächlich ist jedoch ein Weibchen abgebildet, und ein roter Punkt fehlt.

42: Paradaemonia castanea wird gegenüber Lemaire auf Artrang erhoben, durchaus eine taxonomische Änderung, und deutlich von der Amazonasart P. platydesmia unterschieden; als dritte Art in diesem Komplex soll ein unbeschriebenes Taxon aus Südbrasilien übrigbleiben. Gemäß der Diskussion bei Lemaire scheint eher dessen Vermutung wahrscheinlich, daß es sich beim Typusfundort „Costa Rica“ der zwei castanea-Typen um eine falsche Angabe handelt und auch diese Tiere aus Südbrasilien stammen. Eine endgültige Festlegung sollte erst durch sichere Nachweise weiterer Tiere aus Costa Rica erfolgen, nicht jedoch nur aufgrund von unbelegten Vermutungen.

52: Titaea raveni ist Synonym von T. tamerlan guayaquila. Loxolomia johnsoni hat zwar einen kurzen Textvermerk (mit unvollständiger Synonymieliste), wird aber trotzdem nicht abgebildet; hier schreibt D’Abrera aber nicht, daß er diese Art nicht kennt. Insbesondere solche kaum bekannten Arten hätten hier aber die Chance einer Abbildung erhalten sollen.

54: Copiopteryx semiramis: Vier oder fünf Unterarten, bei ihm „populations“, sollen möglicherweise „bona fide races“ sein, was immer das sein mag (Lemaire gibt sieben Subspecies an!). Angeblich befindet sich nicht genügend Material in Museen, um genaue Aussagen treffen zu können, D’Abrera war aber wohl doch nur im BMNH, um Falter einzusehen.

56: Die Abbildung (Zeichnung) von Almeidaia romualdoi ist farblich und in der Flügelzeichnung etwas verfremdet.

58: „Bathyphlebia tyrannus“ gehört in die Gattung Eacles, auch wenn sie bei Michener einmal als Bathyphlebia geführt wurde. Auf Seite 60 erscheint die gleiche Art dann (richtig) als Eacles masoni tyrannus.

61: „Eacles acuta acuta“: Es gibt bei dieser Art keine beschriebenen Unterarten, trinominale Schreibweise ist deswegen unsinnig.

64: Warum C. lobesis einmal als C. lobesis und einmal als C. lobesis lobesis abgebildet wird, bleibt unklar.

66/67: Die Tafelbezeichnungen sind ziemlich durcheinandergeraten, in richtiger Reihenfolge sind (wahrscheinlich) folgende Arten abgebildet: linke Reihe von oben nach unten: C. aroa Männchen (roter Punkt fehlt, Holotyp des Synonyms), C. aroa Männchen, C. mexicana Männchen, C. aroa Männchen, C. mexicana Weibchen; rechte Reihe von oben nach unten: C. andina Männchen, C. beledonon Männchen, C. h. hamifera Männchen, C. h. hamifera Weibchen (eventuell Holotypus?).

70: Schreibfehler: „C. armata sonyac“ anstelle sonyae.

71: C. vogleri: es wird ein Weibchen, nicht das Männchen abgebildet.

74: S. albolineata/raspa: Obwohl durch Lemaire klare Genitalunterschiede als Arttrennungsmerkmale beschrieben wurden, vermutet D’Abrera aufgrund habitueller Ähnlichkeit — offenbar ohne jemals ein Tier von raspa selbst in natura gesehen zu haben! — Synonymie und stellt damit grundlos die wissenschaftlichen Untersuchungen von Lemaire in Frage; mit der Genitalmorphologie hat er sich offenbar überhaupt nicht beschäftigt.

76: S. yucatana Weibchen: Der weibliche Holotypus ist nicht wie angegeben im Anhang, sondern auf der gegenüberliegenden Seite 77 abgebildet.

79: S. bidens Weibchen: Es ist der Holotypus von S. centrimacula abgebildet (Synonym), der rote Punkt fehlt jedoch.

80: Giacomellia bilineata: Die abgebildete „form formosa“ ist nach Lemaire Synonym zu bilineata, „form inversa“ wird bei Lemaire als eigene Art mit fraglichem Status und ausführlicher Begründung hierfür betrachtet. D’Abrera mag vielleicht mit der Synonymie Recht haben (auch Lemaire deutete dies schon an); da er aber keinerlei neue Fakten liefern kann und angeblich auch keine taxonomischen Änderungen im Buch stattfinden sollten, hätte er hier Lemaire folgen sollen.

82: Mielkesia paranaensis wird nur als farblich leicht verfremdete Zeichnung mit etwas zu breiten Fühlern abgebildet.

84: Bei Adeloneivaia boisduvalii wird A. carisma als Synonym angegeben, nicht jedoch die Synonyme guianensis und marginata.

87: A. sabulosa: Der Holotypus ist nicht durch roten Punkt gekennzeichnet, die sogenannten „formae“ sollten besser als Farbvariationen angesprochen werden, der Begriff „forma“ ist historisch zu sehr vorbelastet.

92: Als Verbreitungsgebiet für Citioica anthonilis wird „? Costa Rica to Brazil“ angegeben, nach Lemaire ist die Art bis Mexiko nachgewiesen. Bei der Abbildung einer schwarzen Variante von (wahrscheinlich) Adelowalkeria tristygma werden die Nomenklaturregeln völlig ignoriert: Im Text kennzeichnet D’Abrera diesen Falter als unbeschriebenes Taxon, das möglicherweise nur eine infrasubspezifische Form darstelle, auf der Tafel ist der Falter dann als „subsp.“ bezeichnet.

94: Hier wird als neue Art Adelowalkeria sanctissima von Trinidad beschrieben(!). Die Unterscheidungsmerkmale des einzigen bekannten Männchen dieser Art zu A. flavosignata sind äußerst gering und sollten erst durch weiteres Material auf Konstanz überprüft werden. Auch bei A. flavosignata und A. eugenia gibt es Exemplare mit nur einem oder zwei silbernen Flecken und aufgehellten Hinterflügeln. Das Weibchen erscheint ausgeblichen. Bei solch ähnlichen Tieren sollte ein Vergleich von Genitalstrukturen bei einer Originalbeschreibung keinesfalls fehlen. Wahrscheinlich wird sich dieser Name als Synonym zu A. flavosignata herausstellen. Auch das Verbreitungsgebiet — der Norden von Südamerika bis zu den südlichen der Westindischen Inseln — ist für Ceratocampinae-Arten durchaus nicht ungewöhnlich. Der weibliche Falter ist außerdem nicht Allotyp, sondern korrekterweise weiblicher Paratyp. Beim Fundort „Trinidad“ von A. eugenia handelt es sich offensichtlich um einen Irrtum, bei Lemaire werden alle genannten Länder außer Trinidad angegeben, diese Insel ist wahrscheinlich zunächst als Herkunft der vorgenannten angeblich neuen Art in diese Liste übernommen und dann nicht mehr entfernt worden. Die pauschale „Ungültigkeitserklärung“ von Lemaires Neotypendesignation ist ein Verstoß gegen die zoologischen Nomenklaturregeln; sollte D’Abrera tatsächlich den echten Holotyp wiederentdeckt haben, so ist gemäß Artikel 75 (h) des Codes notwendigerweise eine Entscheidung der Kommission zur Klärung des Falls herbeizuführen, der Neotyp wird nicht automatisch ungültig. — Die Vermutung, daß Ptiloscola lilacina und P. dargei konspezifisch sein, ist überflüssig; Lemaire belegt den Artstatus deutlich durch unterschiedliche Genitalstrukturen. Der Fundort „? Panama“ scheint ebenfalls nur eine Vermutung zu sein.

95: A. eugenia Weibchen Holotypus und A. flavosignata Männchen sind verwechselt worden.

96: „Rachesa ? sp.“ weist alle Merkmale von R. nisa auf (ein Genitalpräparat könnte dies endgültig klären). — Die Bezeichnung „Neorcarnegia basirei ? forma“ ist völlig überflüssig.

98: Der Fundort Belize von Anisota dissimilis wird wohl nur aus geographischen Zusammenhängen heraus vermutet, ist aber nicht nachgewiesen. Das richtige Originalbeschreibungszitat für Anisota virginiensis lautet Drury 1773, für A. kendallorum Lemaire 1988. A. pellucida weist eine unvollständige Synonymieliste auf, A. punctata und kendallorum werden im Appendix abgebildet, im Text steht jedoch „I do not know the following“; und Kanada, Florida sowie Texas als sehr unvollständige Fundortangaben von Dryocampa rubicunda liegen sicherlich auch nicht in Nordostargentinien!

100: Es wird kein Weibchen von Aglia homora abgebildet wie im Text angegeben (die einzig bekannten Weibchen befinden sich nämlich in Bonn, nicht in London . . .). Als (süd-)westliche Verbreitungsgrenze von A. tau wird „central northern Europe“ angegeben, obwohl weiter unten die korrekte Verbreitungsgrenze als Südwesteuropa (Pyrenäen) nach einer brieflichen Mitteilung von Nässig zitiert wird. A. japonica wird im Text als separate Art geführt und auf der Tafel als A. tau japonica bezeichnet; das abgebildete Weibchen gehört jedoch nicht zu japonica, sondern zu tau sensu stricto, ein japonica-Weibchen fehlt.

102/104: Obwohl angeblich keine taxonomischen Änderungen vorgenommen werden sollten, akzeptiert er mit völlig sachfremder Argumentation die Gliederung des Genus Lonomia in die zwei Subgenera Lonomia und Periga durch Lemaire nicht. — Die Herkunftsangabe „? Paraguay“ bei L. obliqua beruht wohl wieder nur auf Vermutungen.

104: Bei Periga falcata und P. cluacina erscheinen wiederum Verbreitungsvermutungen anstelle handfester Angaben.

105: Es fehlen die roten Punkte bei P. circumstans (Neotypus) und P. falcata (Lectotypus von P. apicalis).

108: Das Genus Coloradia besteht nicht aus „2 oder 3 Arten“, sondern nach Lemaire & Smith (1992) aus 5. Die Gattung Hemileuca besteht aus den Subgenera Euleucophaeus (nicht „Eleucophaeus“), Hemileuca, Pseudohazis und Argyrauges. Eine genaue Klärung sollte hier Lemaire, der gerade daran arbeitet, nicht vorweggenommen werden, zumal ja angeblich keine taxonomischen Änderungen vorgenommen werden sollen. Die Aussage, daß Hemileuca-Arten nur in den USA vorkommen, ist schlichtweg falsch, diverse Arten sind auch aus Mexiko bekannt.

109: E. mania: Roter Punkt fehlt (Syntypus).

110: Durchaus nicht alle Hemileuca-sensu-stricto-Raupen fressen auf Salicaceae. Diverse Fundortangaben dieser an sich in den letzten Jahren intensiv untersuchten Gattung werden hier durcheinandergeworfen oder fehlen schlichtweg:

111: Bei E. dyari (Syntypus Weibchen) fehlt der rote Punkt.

112: H. eglanterina kommt mit ihren Unterarten unter anderem in den Staaten Wyoming, Utah, Colorado, Nevada, Kalifornien und Arizona vor. Eine Reihe von Arten kennt D’Abrera angeblich nicht, sie werden aber kommentarlos im Appendix abgebildet. Die Taxa hualapi und peninsularis müßten allerdings folgerichtig in der Gattung Euleucophaeus erscheinen. Bei den Gattungen Travassosula und Cinnomata werden die Symbole $ und Weibchen verwechselt, bei C. bistrigata sind vermutlich auch die Symbole Weibchen und ? durcheinandergeraten. Diese Vertauschungen von $ und Weibchen sowie Weibchen und ? kommen besonders im hinteren Teil des Buches immer häufiger vor.

116: Automeris boops: fragliche Fundortangabe Kolumbien; das Weibchen ist ihm angeblich nicht bekannt, gleichzeitig wird aber der weibliche Holotypus abgebildet. Bei A. postalbida (Abb. S. 117) sind Männchen und Weibchen vertauscht.

119: Roter Punkt fehlt bei A. tristis (Lectotypus des Synonyms A. hagar).

120: Wie D’Abrera auf die vermutete Verbreitung von A. rubrescens in Venezuela kommt, bleibt sein Geheimnis. Mexiko als wichtige Herkunftsangabe fehlt. Den Lectotypus dieser Art sucht man vergeblich auf der zugehörigen Tafel, ohne Hinweis erscheint er eine Tafel später. Der Falter, den er als Unterart nopaltzin (nicht „nopalzin“) abbildet, ist nicht A. rubrescens, sondern wahrscheinlich A. excreta. A. moloneyi wird von Lemaire ganz deutlich von A. rubrescens unterschieden. Der Falter, den D’Abrera als „A. ? sp. (nr. maloneyi [sic])“ abbildet, ist wahrscheinlich wirklich A. r. nopaltzin. Der Holotypus von A. andicola ist ein Weibchen.

121: A. andicola ist ein Weibchen, bei A. rectilinea fehlt der rote Punkt (Holotypus vom Synonym A. attenuata).

123: Bei dem als „A. ? sp. Weibchen“ abgebildeten Falter handelt es sich um A. banus.

125: Roter Punkt bei A. denticulatus („Typus“ vom Synonym moerens) fehlt.

126: Fragliche Herkunftsvermutungen bei A. basalis.

127: Roter Punkt bei A. basalis (Holotypus vom Synonym pencillatus) fehlt.

128: Bei A. zozine, A. zugana und A. melanops werden die Zeichen $, Weibchen und ? durcheinandergewürfelt. A. jivaros und A. complicata sind sicherlich nicht, wie vermutet wird, konspezifisch, obwohl sie sich auf den ersten Blick ähnlich sehen.

130: Schreibfehler bei A. nebulosus und A. arminia. Bei A. nebulosa wird $ statt Weibchen verwendet, A. arminia wird nicht, wie angegeben, im Appendix nochmals in 2 Exemplaren abgebildet; diese Tiere erscheinen auf der regulären Tafel, das Weibchen ist allerdings als Männchen gekennzeichnet. Für A. castrensis und A. violascens werden wieder fragliche Herkunftsangaben gemacht, auch der Fundort „? Costa Rica“ für A. io beruht sicherlich nur auf Vermutungen.

132: Bei seinen Vermutungen über die Konspezifität der Gruppe um A. dandemon (nicht: „dandaemon“), melmon, thyreon und colenon begibt sich D’Abrera taxonomisch ziemlich aufs Glatteis. Er schlägt vor, daß alle 4 konspezifisch seien und gleichzeitig jeweils 2 Synonyme wären(!?), obwohl er Falter von A. melmon und A. thyreon selbst gar nicht gesehen hat. Das gleiche schlägt er vor für die Gruppe um A. montezuma, celata, pallidior und escalantei (A. escalantei wird übrigens im Appendix abgebildet, obwohl darauf nicht hingewiesen wird). Das vermutete Vorkommen von A. beckeri in Paraguay ist wohl auch noch nicht bewiesen.

134: Bei A. orestes und Automerella aurora werden $ mit Weibchen verwechselt, A. nigrocinctus ist nicht, wie angegeben, Synonym von A. submacula, sondern von A. orestes. Von A. kopturae wird ein weiteres Tier im Appendix ohne Verweis darauf abgebildet. Die Herkunftsangabe Paraguay und Uruguay von A. aurora ist wiederum fraglich.

136: Die Fundortangaben von Leucanella nyctimene sind Vermutungen, der abgebildete Falter mit unklarer Artzuordnung ist ein Männchen, kein Weibchen.

138: L. memusoides: Abgebildet wird ein Weibchen. Die Fundortangaben von L. viridescens sind Vermutungen, die Zeichen Weibchen und ? wurden verwechselt.

139: L. memusoides: Abgebildet wird ein Weibchen, kein Männchen.

140: Die Unterart von L. stuarti heißt richtig koehleri.

142: Pseudautomeris irene: Die Herkunftsangabe „Mexico“ erscheint etwas zu weit entfernt vermutet vom wirklichen Verbreitungsgebiet, arminirene wird von Lemaire als gültige Unterart geführt, die in einer angeblich „nichttaxonomischen“ Arbeit auch nicht synonymisiert werden sollte. Bei P. erubescens und P. grammivora wurden bei den fraglichen Herkunftsangaben die Zeichen Weibchen und ? verwechselt.

144: Zum Status von P. porifera sei auf die Diskussion bei Lemaire verwiesen, dieses Taxon muß hier nicht wieder überflüssigerweise in unzutreffende Synonymieüberlegungen einbezogen werden. „P. ? coronis“ ist wirklich P. coronis, wovon das Urbeschreibungszitat unvollständig wiedergegeben ist, und bei P. ophthalmica ist beim Fundort Argentinien wieder Weibchen mit ? verwechselt worden. — Die Vermutung, daß viele Gamelia-Arten nur geographische Rassen seien, ist nicht begründet.

145: Roter Punkt bei G. abasiella (Holotypus) fehlt.

148: Für die Gattung Hylesia wird hier eine Zusammenfassung des Wissensstandes nach Seitz gegeben; dessen Taxonomie sollte dann aber auch, da angeblich nicht taxonomisch eingegriffen werden soll, vorläufig komplett übernommen und die Gesamtrevision der Gruppe von Lemaire abgewartet werden.

154/155: Hylesia „schussleri“ heißt richtig H. schuessleri.

160: Es werden eindeutige Merkmale des Subgenus Paradirphia nach Michener zitiert, die dann aber nicht an den Faltern überprüft wurden. Die hier bearbeiteten Arten sind so wohl im BMNH unter der Gattung Paradirphia eingeordnet. — Von P. lasiocampina werden 2 Weibchen abgebildet, ebenso ist das abgebildete Tier von "P. ? sp." ein Weibchen.

162: Die Gattung Dihirpa ist angeblich „monobasic“, es werden aber 2 Arten angegeben. Von H. weymeri wird nicht das Männchen, sondern das Weibchen abgebildet.

164, Appendix: Anisota punctata ist als Weibchen, nicht als Männchen abgebildet. Hemileuca peninsularis und hualapi müßten folgerichtig (gemäß dem vorherigen Gebrauch) als Euleucophaeus benannt werden. Im Appendix häufen sich auch „einfache“ Schreibfehler.

166, Appendix: Bei Automeris lemairei fehlt das Beschreibungsjahr, Hylesia hubbelli wird auf der vorhergehenden Tafel abgebildet, und auf der zugehörigen Tafel werden verschiedene Arten verkehrt bezeichnet:

169: In der Bibliographie muß die korrekte Bezeichnung bei Lemaire (1988) Ceratocampinae heißen; die Arbeiten von Lemaire (und auch einige andere Werke) sind sämtlich nicht korrekt und vollständig zitiert; es fehlen sehr viele relevante Arbeiten.
(Für einige Hinweise auf Fehler bedanke ich mich bei Claude Lemaire und Wolfgang A. Nässig.)

Das Werk hinterläßt insgesamt einen deutlichen Eindruck von schlampiger bis fehlerhafter Recherche eines hochgradig voreingenommenen Autors und von hastigem Zusammenschustern mit vielen Flüchtigkeitsfehlern auf technischer Seite.

Wenn man einerseits bedenkt, wie nachhaltig und hartnäckig sich einmal begangene Fehler gerade in großen und weit verbreiteten, populären Bestimmungsbüchern halten — es sei hier nur das Werk von Seitz genannt, dessen vielfach falsche Benennung beispielsweise der Attacus-Arten sich ärgerlicherweise trotz moderner Literatur bis in die heutige Zeit hinzieht —, und andererseits diese ellenlange (und sicherlich nicht vollständige!) Liste von offensichtlichen Fehlern sieht, kann eigentlich nur von der Verwendung dieses Buches abgeraten und gehofft werden, daß irgendwann einmal eine gründlich überarbeitete zweite Auflage erscheint, am besten noch vor Abschluß der beiden noch zu erstellenden Bände, für die D’Abrera etwas mehr Sorgfalt, Ausdauer und Diskussion mit Spezialisten und weniger „missionarischer“ Eifer gewünscht werden darf. Weiterhin bleibt die Frage, ob in den bisher erschienenen Bildbänden von D’Abrera über Tagfalter und Schwärmer genauso viele Fehler gemacht wurden.

Eine weitere Frage ist das Preis-Leistungs-Verhältnis: Während „Sphingidae Mundi“ mit insgesamt 226 Seiten noch für DM 275,— zu haben ist, erscheint der Preis von DM 445,— für „Saturniidae Mundi I“ bei nur 177 Seiten doch eindeutig zu hoch. Wird hier auf den vermutlich etwas größeren Interessentenkreis bei Saturniiden spekuliert?

Fazit: Als reines Abbildungsbuch mit geringem wissenschaftlichen Wert und hoher Fehlerquote zu teuer (immerhin ist hier erst etwa ein Drittel der Arten behandelt), ist es für den ernsthaft interessierten Entomologen sicherlich sinnvoller, sich das eine oder andere (leider von den Farbabbildungen her nicht so gut ausgestattete) Buch von Lemaire zuzulegen.

Stefan Naumann


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Text bearbeitet fürs Internet durch W. A. Nässig, 18. November 1998